Alltag anders: Rückbesinnung auf eigene Werte im Ausland

Das Leben im Ausland eröffnen einem nicht nur eine vollkommen neue Sicht auf Land und Leute. Die Wahrnehmung von weltweiten Kulturunterschieden macht auch etwas mit den eigenen Vorstellungen. Was ist erstrebenswert? Was gehört zu den Dingen die man unbedingt braucht und was sind Dinge die in einem Kulturkreis als unbedingt notwendig angesehen werden und woanders überhaupt keine Rolle spielen? Ganz plastisch wird das wenn man sich einmal ganz konkret an einer Alltagssituation bewusst macht. In diesem Artikel widme ich mich der unterschiedlichen Ausgestaltung von Kinderzimmern weltweit und was das mit dem Zurückbesinnen auf unseren Urinstinkt zu tun hat. 

Wie unterschiedlich Alltag im Ausland gelebt wird

Ich bin ein großer Fan des Podcasts “Deutschland Funk Kultur” in dem Auslandskorrespondenten aus ihrem Alltag erzählen. Diese Woche ging es um das Thema Kinderzimmer und wie unterschiedlich diese in den Ländern gestaltet werden. (Die ganze Episode kannst du hier anhören)

Überall scheint es ein anderes Konzept zu geben bezüglich Kinderzimmer. In einem Land haben Kinder natürlich schon seit Geburt ein eigenes Zimmer inklusive Wickelkommode, Bett und eigenen Spielsachen. In einem anderen Land teilen sich Kinder ein Zimmer und das auch nur zum Spielen. Geschlafen wird im Elternbett. Wieder woanders gibt es einfach nicht den Raum und der Spielbereich ist draußen. In Anbetracht dessen wieviel Druck auf dem Thema in westlichen Ländern liegt finde ich das Thema faszinierend. Die sozialen Medien, allen voran Instagram, sind voll von wunderschönen Kinderzimmern die suggerieren: Nur mit so viel Platz und Details wird dein Kind eine glückliche Kindheit verbringen. Da tut es gut einmal einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich anzuschauen welche Rolle Kinderzimmer in anderen Ländern spielen. 

Brasilien

Brasilien ist ein Land mit großen finanziellen Unterschieden. Manchmal müssen 10 Personen in einem Zimmer schlafen. Da wird auch schon einmal eine Hängematte über die Matratze gehängt die tagsüber wieder abgehängt wird. Ein eigenes Zimmer ist auf jeden Fall Luxus. Bei reicheren Familien geht es beim Einrichten der Kinderzimmer eher traditionell zu. Die Familienministerin im Kabinett von Bolsonara gibt ganz klar vor: Rosa für Mädchen, blau für Jungs. 

Israel

Die Kinderzimmer sind im Schnitt kleiner als in Deutschland, ca. 9-10 qm. Die neugebauten Wohnung werden auch so geschnitten. Interessant ist, dass viele Kinderzimmer sich im sogenannten Bunker befindet. In vielen israelischen Wohnungen gibt es den Mahmat, das ist ein gesetzlich vorgeschrieben Raum mit dicken Wänden der luftdicht abgeschlossen werden kann. Viele Familien denken sich was machen wir mit diesem Schutzraum und packen das Kinderzimmer in Friedenszeiten in diesen Mahmat. 

Kenia

Das klassische Konzept eines Kinderzimmers ist nicht vorhanden. Das gibt es wirklich nur ganz selten. Die Mittelschicht hat oft ein Zimmer in dem alle Kinder ihre Hausaufgaben machen. 

Marokko

Im ländlichen Raum ist es eher unüblich, dass es ein Zimmer gibt welches dem Spielen vorbehalten ist. In der Mittelschicht sind die Familienstrukturen anders und es gibt weniger Kinder. Oft sind die Wohnung größer und Kinder teilen sich ein Zimmer. 

Meist ist es also die finanzielle Situation die darüber entscheidet ob es in den Wohnungen eigens vorgesehene Kinderzimmer gibt. Es ist aber auch der kulturelle Einfluss und die Familiendynamik die überall anders ist. 

Wie das Leben im Ausland neue Perspektiven ermöglicht

Was können wir also von diesem Beispiel lernen? Es zeigt, dass wir manchmal Idealen und Vorstellungen hinterherrennen die wir selbst in unserer sozialen Bubble vorgelebt bekommen. Sobald man aber in eine fremde Kultur eintaucht und dort den Alltag abseits des Tourismus erlebt lernt man, dass viele Dinge ganz anders bewertet werden. Wenn also in einem Land eine Kinderbetreuung ab 4 Monaten undenkbar ist und im anderen Land die Regel was sagt uns das? Wenn in einem Land die Liste an Dingen die ein Baby braucht unendlich lang ist und in einem anderen Land noch nicht einmal davon gehört wurde was sagt uns das? Wenn in einem Land nur Stillen als gesunde Nahrung gilt und in einem anderen Land der Einsatz von Pre Milch zeigt, dass man zu einer gehobeneren Klasse gehört was sagt uns das?

Das Leben im Ausland lässt uns wieder auf unseren Instinkt hören

Wenn es also überall auf der Welt unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wie Dinge gemacht werden sollen und was notwenig ist damit man glücklich ist gibt einem diese Vielfalt eine gewisse Gelassenheit. Und es ist eine Einladung wieder auf seinen Instinkt zu hören. Was möchte ich eigentlich? Was ist mir wichtig? Worauf möchte ich Raum und Geld verteilen? Sich von seiner eigenen sozialen Erwartungsbubble freizuschwimmen ist sehr schwer. Da hilft es einige Zeit im Ausland verbracht zu haben und auch eine geographische Distanz zwischen Erwartungshaltung und eigenen Wünschen aufzubauen. 

Es braucht Zeit sich von sozialen Verpflichtungen freizuschwimmen - Sichtweise von zufriedenen Frauen im Ausland

Ähnlich haben es auch meine 30 Interviewpartner geschildert. Alles Frauen die im Ausland beruflich Fuß gefasst haben und vor Ort mit der Frage konfrontiert wurden wie nun soweit von zu Hause entfernt das eigene Wertesystem aussieht und die eigenen Prioritäten zu setzen sind. Hier ein paar Auszüge aus unseren Gesprächen: 

“Now that I moved abroad I am feeling more free than before in Brazil. My family is far away and can’t see what I am doing. I got the new position because I was lucky but also because I made myself available and showed my expertise on LinkedIn.” 

“I don’t care about the opinion of society. It is my personal vision
to live in a world where everyone can live according to their own ideas. Therefore, I personally like to communicate that I work full time and then I don’t want to hear any opinion.” 

“By living abroad for so long, you come into contact
with so many different people that you can pick out your own life model. I found that very liberating. But that only came after some time abroad. In the beginning, the Expat Partner image weighed heavily on me. That was a process of detachment.” 

“By living abroad for so long, you come into contact with so many different people that you can pick out your own life model.” 

Mein Fazit

Vielfalt gibt einem also ein wunderschönes Geschenk wenn man es annimmt: Es ermöglicht einem sich mit Gelassenheit und Ruhe wieder auf eigene Vorstellungen und Werte zu besinnen, den Instagram Algorithmus den Rücken zu kehren und wieder auf sein Bauchgefühl zu hören. Was hörst du wenn du einmal den Gedanken zulässt dass es verschiedene Lösungen für das gleiche Problem gibt? Höre einmal genau hin. 

Ich hoffe du hast etwas aus diesem Artikel mitnehmen können. Ich freue mich auf den Austausch mit dir und lade dich zu meinen zwei letzten Global Coffee Dates vor der Sommerpause ein. Darin geht es ganz entspannt um das Thema Leben im Ausland oder Rückkehr ins Heimatland und in kleinen Breakout Sessions lernst du tolle Frauen kennen die weltweit verteilt sind. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

Kate from Share the Love, expat, expat wife, expat life

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